Im April haben wir ein gebrauchtes Fahrrad für Alina gekauft. Im ersten Enthusiasmus hat sie 3-4 Mal versucht zu fahren. Immer darauf bestanden, dass ich festhalte. Wenn ich losliess und sie es merkte, stieg sie sofort ab. Bei ein paar Spaziergängen mussten wir das Fahrrad unterwegs anschliessen und auf dem Rückweg wieder abholen. Dann war die Fahrradzeit erstmal vorbei. Es stand im Flur herum, wurde immer mal von einer Ecke in die andere geschoben. Ich fragte mehrmals nach: “Sollen wir zusammen fahren üben?” Die Antwort war immer “Nein.” oder “Jetzt nicht.” oder “Später.” Ich hab nicht drauf bestanden, im Vertrauen, dass der richtige Moment schon noch kommen wird, und weil die Welt auch nicht untergeht, wenn sie (noch?) nicht fahren kann.
Vorgestern vormittag -eigentlich wollte ich an den Schreibtisch- sagte Alina: “Komm, wir gehen mit dem Fahrrad raus.” Ich liess den Schreibtisch Schreibtisch sein, holte den Helm, schaute nach, ob genügend Luft in den Reifen war und los ging’s. Alina wusste genau, wo sie hinwollte, nämlich auf den betonierten Fussballplatz, der morgens meistens menschenleer ist. “Mama, schieb mich an.” Ich schob und das Kind fuhr. Sie bremste mit den Füssen auf dem Fussboden: “Nochmal.” Das Ganze ca. eine halbe Stunde lang. Die Kurven noch etwas wacklig, immer wieder Stehpausen, aber der unbremsbare Wille zum Weiterüben.
Dann haben wir -wie vereinbart war- Alinas Papa abgeholt, ich hab ihn gleich noch gebeten, die Kamera mitzunehmen. Sieht so anders aus, das zweibeinige Kind sicher auf zwei Rädern. Zurück auf dem Fussballplatz – grosse Enttäuschung, der war schon von zwei Jungs mit Bällen “besetzt”. Alternative – eine Runde um die Parkwiese. Aus einer Runde wurden zwei. “Mama, nur noch EINE!” Also Runde Nummer drei, dann Runde Nummer vier. Ich joggend hinterher, da zwischendurch immer mal Schieben angesagt war.
Heute morgen wieder auf den Fussbalplatz zum Weiterüben. Die Kurven gingen heut schon glänzend gut, Alina schaffte sogar mehrere Runden allein ohne Absteigen. Und sie gab sich selbst Punkte, wenn sie die Pfütze traf. Dann ein Sturz, bittere Tränen, erstmal nach Hause. Morgen oder nächste Woche oder in einem Monat geht es weiter.